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Bericht Politanlass Mitte Egolzwil und Wauwil vom 5. Februar 2026

19. Februar 2026

Die SRG hat eine Schlüsselrolle im Service Public

Die Erosion der traditionellen Medienwelt, die aktuellen Trends und die Wirkungen sind zunehmend ein Demokratieproblem. Diese Thematik und ein angeregtes Podium mit Pro und Kontra zur SRG-Halbierungsinitiative prägten den gemeinsamen Politanlass der Ortsparteien Mitte Wauwil und Egolzwil.

Aus akademischer Sicht schilderte Dr. Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik an der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) die spürbare Erosion der institutionellen Wissensordung.

Markanter Wandel in der Medienwelt

Nebst dem Umbruch in der Medienwelt belaste auch die Verbreitung vorn Desinformationen (Fake News) das Vertrauen in die Medien. Umso wichtiger seien unabhängige und auf wahrheitsgeprüfte Berichterstattungen. Der Drang zu medialen Monopolen, Finanzprobleme im Abonnentenmarkt, der enorme Abfluss von Werbegeldern in internationale Medienkanäle sowie der Einfluss von KI hätten ungeahnte Folgen. Fernsehen und Radio sowie Printmedien prägten zwar weiterhin die Meinungsbildung. Sie geniessen statistisch das höchste Vertrauen (insbesondere SRF). Fast die Hälfte der Bevölkerung konsumiere aber kaum noch journalistische Inhalte und nutze vermehrt soziale Medien. Das wirke sich negativ auf Wissen, Vertrauen und die demokratische Partizipation aus. Journalismus habe eine unverzichtbare demokratische Funktion, unterstrich Vinzenz Wyss.

Die Marktmacht von grösseren Medien und die Meinungsmacht von Medienkonzernen bewirkten gemäss aktuellem Medienmonitoring bei jüngeren Generationen deutlich mehr den Social-Media-Konsum als bei älteren Personengruppen. Also müssen sich die Wissensvermittler in Politik und Wirtschaft vermehrt auf eine gezielte Erreichbarkeit primär der Jungen Generation ausrichten. «Die direkte Demokratie setzt auf das Ideal einer informierten Bürgerschaft – wozu die SRG eine wichtige Schlüsselrolle spiele», betonte Vinzenz Wyss zum Schluss seines umfassenden Referates.

Die SRG im politischen Schussfeld

Das augenöffnende Inputreferat war eine zeitaktuelle Basis für die Podiumsdiskussion über die SRG-Halbierungsinitiative, welche alt Kantonsrat Rico De Bona angriffig moderierte. Die beiden SVP-Politiker Thomas Burgherr (Nationalrat, Wiliberg AG) und Roland Küng (Kantonsrat, Buttisholz) monierten vehement die Doppel- und zudem umsatzabhängige Abgabe an die SRG. Die Halbierungsinitiative fordere rigoroses Sparen und Reform der Unternehmensstrukturen. Sie meinten, dass der Service Public eingeschränkt weiterhin möglich wäre. Solchen Argumenten widersprachen die beiden Mitte-Politikerinnen Priska Wismer-Felder (Nationalrätin, Rickenbach) und Rosmarie Brunner-Zürcher (Kantonsrätin, Wikon). Für Priska Wismer sind beispielsweise Ausstrahlungen über Volkskultur und andere einheimische Themen für die Fernseh- und Radiokonsumenten weiterhin wichtig, was die Initiative ernsthaft gefährden würde. Eine unabhängiges und sachgerechtes Informationsangebot für alle Sprachregionen könne nur mit einem Nein gewährleistet bleiben, so Rosmarie Brunner. Das identitätsstiftende mediale Angebot der SRG gehe über die reine Wissensvermittlung hinaus. Auch bei vermehrter Socialmedia-Nutzung sei die SRG für die junge Generation dringend nötig. Dass ebenfalls die gewerblichen Kreise an einer ausgewogen informierten Gesellschaft aus staatspolitischer Sicht interessiert sein müssten, wurde von den beiden SVP-Vertreter nicht grundsätzlich widersprochen. Sie nähmen aber in Kauf, dass die regionalen SRG-Strukturen eingeschränkt würden oder – so Thomas Burgherr – allenfalls gestrichen würden.

Trugschluss um Wegfall von 600 Millionen

Bereits in seinem Referat betonte Prof. Vinzenz Wyss, dass mit dem Wegfall von 600 Millionen Franken SRG-Einnahmen die Grundversorgung für die Demokratie und die Resilienz gegenüber Desinformationen massiv geschwächt würde. Es sei ein Trugschluss, dass andere Medien von diesen 600 Millionen monetär profitieren würden. Gestärkt würden allenfalls private und monopolistische Medienplayer, was unerwünscht wäre. Basierend auf einer ganzheitlichen Beurteilung votierten deshalb die beiden couragierten Mitte-Politikerinnen, dass die SRG-Halbierungsinitiative abzulehnen sei.

Die Mitte empfiehlt Nein zu Individualbesteuerung

Der Wauwiler Finanzvorsteher Tim Kiser begründete das empfohlene Nein der Mitte-Partei zur Individualbesteuerung. Allein in Wauwil beispielsweise würde diese rund 550 zusätzliche Steuererklärungen bewirken. Diese administrativ zu bewältigen würde hochgerechnet jährlich zwischen 60’000 bis 70’000 Franken Verwaltungskosten auslösen. Es sei zudem nicht am Staat, ein bestimmtes Familienmuster zu favorisieren. Ein klares Nein empfahl Tim Kiser ebenfalls zur Klima-Fonds-Initiative, Ja hingegen zum Bargeld-Gegenvorschlag und zum Kredit für die Lammschlucht-Sanierung.

Gabi Grüter-Belser und Pius Bernet verdankten namens der beiden Mitte Ortsparteien Wauwil und Egolzwil und symbolisch mit einer Flasche einheimischer «Santenberger» die allseits engagierten Statements und das spannende Inputreferat.

Text und Fotos: Alois Hodel

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